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Globalisierung. оригинал.doc

GLOBALISIERUNG
Nach wie vor behauptet die Globalisierung als weltweit zunehmende Verflechtung von Menschen, Gütern, Information und Kapital einen Spitzenplatz im öffentlichen Interesse und findet leidenschaftliche Gegner ebenso wie engagierte Befürworter. Neuerungen in der Informationstechnologie förderten die wirtschaftliche Vernetzung mit gesellschaftlichen, kulturellen und ökologischen Folgewirkungen, die in allen Teilen der Welt spürbar werden und im traditionellen nationalstaatlichen Rahmen nicht mehr zu bewältigen sind. Schwerpunktbeiträge zu den genannten Bereichen eröffnen einen Blick auf die jeweiligen Chancen und Risiken des Globalisierungsprozesses.

In den vergangenen Jahren hat die Kontroverse um die Folgen der weltweiten Verflechtung an Heftigkeit gewonnen. Ihre Befürworter betonen, dass dadurch alle beteiligten Staaten Wohlstandsgewinne erzielen. Ihre Kritiker verweisen auf gegenteilige Erfahrungen wie etwa die Finanzkrisen in Asien und Südamerika Ende der neunziger Jahre. Ihrer Ansicht nach dient die derzeitige Form der Globalisierung vorwiegend den Interessen von Finanzanlegern und multinationalen Konzernen.

Grundzüge der Globalisierung

Globalisierung bezeichnet eine Entwicklung, die äußerst kontrovers diskutiert wird: Für ihre Befürworter ist sie in erster Linie der Weg zu einem effizienteren Wirtschaften durch den Abbau von Handels- und Wettbewerbsbeschränkungen. Nach Meinung ihrer Kritiker verringert die wachsende internationale Verflechtung dagegen die staatliche Steuerungsfähigkeit. Sie bemängeln, dass ihre Akteure wie etwa weltweit operierende Wirtschaftsunternehmen keiner wirksamen gesellschaftlichen Kontrolle unterworfen sind, und werten sie als Quelle für politische und wirtschaftliche Instabilität sowie zunehmende soziale Ungleichheit in und zwischen den Staaten. Seit einigen Jahren macht sich auch der internationale Terrorismus vermehrt die Instrumente und Möglichkeiten zunutze, die der Prozess der Globalisierung bietet.

So löst Globalisierung bei den einen Aufbruchstimmung aus, bei den anderen hingegen Angstgefühle. Letztere werden von globalisierungskritischen Gruppen und Bewegungen aufgenommen, die sich seit den neunziger Jahren auf allen internationalen Konferenzen mit globaler Thematik zunehmend Gehör verschaffen. Attac (frz.: Association pour une taxation des transactions financières pour l'aide aux citoyens - Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürgerinnen und Bürger) ist das wohl prominenteste Beispiel. Dabei bedienen sie sich bei ihren Aktionen zum Teil derselben Instrumente und Möglichkeiten, die auch die wirtschaftliche Vernetzung begünstigen und vorantreiben.

Mit dem Phänomen der Globalisierung sind viele Aspekte verbunden. Der Begriff steht, auch wenn er erst in den letzten Jahren allgegenwärtig zu sein scheint, für eine Entwicklung, die weit in die Geschichte zurückreicht und eine große Zahl grenzüberschreitender Aktivitäten umfasst. Es handelt sich um einen Prozess, der schrittweise verlaufen ist und auf mehreren, unterschiedlich starken Triebkräften beruht.

Dazu zählt zuvorderst das wirtschaftliche Interesse. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die theoretische Einsicht und sehr bald auch praktische Erfahrung, dass Staaten, die sich wirtschaftlich nicht abschließen, sondern in einen offenen Austausch mit anderen Volkswirtschaften treten, davon profitieren und Wohlstandsgewinne für ihre Bürgerinnen und Bürger erzielen. Die OECD (Organization for Economic Cooperation and Development - Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), ein Zusammenschluss der großen Industriestaaten, bezeichnet Globalisierung folglich als einen "Prozess, durch den Märkte und Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden - dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegung von Kapital und Technologie". Einen besonderen Schub löste in diesem Zusammenhang der Zusammenbruch des Ostblocks aus, als an die Stelle der Konkurrenz zweier Gesellschaftsvorstellungen ein weltweiter Kampf um wirtschaftliche Marktanteile trat.
Liberalisierung und Deregulierung

Die zunehmende internationale Verflechtung ist allerdings kein unkontrollierbares Schicksal, sondern weitgehend das Resultat von staatlichen Entscheidungen. Vor allem wirtschaftlich starke Staaten konnten durchsetzen, dass Schutzwälle um Volkswirtschaften schrittweise abgetragen wurden und werden (außenwirtschaftliche Liberalisierung).

Bei vielen Produkten haben nationale Zölle und mengenmäßige Importbeschränkungen ihre Schutzfunktion für die jeweils heimische Produktion längst eingebüßt. War die Konkurrenz eines Unternehmens anfangs vorwiegend innerhalb staatlicher Grenzen zu suchen, so ist sie nun überall auf der Welt anzutreffen. Die Liberalisierung nach außen ging einher mit dem Abbau staatlicher Vorschriften im Inneren (Deregulierung).

Doch nicht nur Güter und Dienstleistungen werden weltweit verkauft und eingekauft, ohne dass sie große Hürden zu überwinden hätten. Auch der Fluss des Geldes ist von nahezu allen staatlichen Fesseln befreit worden. Kapital findet sich überall dort ein, wo es entweder als Investition in ein Unternehmen oder auf den Finanzmärkten anderer Staaten eine gute Rendite verspricht.

Eine Folge ist, dass ein Großteil der Gelder, die täglich um die Welt zirkulieren - 2002 waren es 90 Prozent -, nichts mehr mit der Bezahlung von Gütern und Dienstleistungen zu tun hat. Vielmehr ist Geld selber zur Ware geworden. Dabei fließen mitunter riesige Geldströme in Länder, in denen sie vorübergehend einen hohen Gewinn versprechen, um bei wechselnder Lage ebenso schnell wieder abgezogen zu werden - ungeachtet der finanzpolitischen Zerrüttungen, die dann zurückbleiben.

Deshalb wenden sich viele Kritiker der Globalisierung - und zu ihnen zählen international agierende Nichtregierungsorganisationen ebenso wie weltbekannte Ökonomen - mit der Forderung an die Staaten, nicht nur wirtschaftliche Hindernisse für Entwicklungsländer abzubauen, sondern sich auch auf Regeln zu einigen, mit denen insbesondere auf den globalen Finanzmärkten Krisen verhindert werden können.

Auswirkungen auf die Arbeitswelt

Globalisierung ist zwar in erster Linie ein ökonomisches Phänomen, ihre Auswirkungen gehen jedoch weit darüber hinaus. Viele Menschen in den Industriestaaten sehen sie als eine Gefährdung ihrer sozialen Sicherheit und ihrer Zukunftschancen an. Der Abbau zwischenstaatlicher Hindernisse erleichtert es besonders großen, kapitalkräftigen Unternehmen, die ihre Produktionskosten verringern wollen, sich in Ländern mit niedrigeren Lohnkosten, minimalen umweltpolitischen Auflagen sowie schwachen sozialen Sicherungssystemen niederzulassen. Für einfache Tätigkeiten wird in manchen Ländern so wenig bezahlt, dass die dort hergestellten Produkte ungeachtet der Transportkosten immer noch billiger sind als solche, die in Deutschland fabriziert wurden.

Dies gefährdet vor allem solche Arbeitsplätze, für die schon geringe Qualifikationen ausreichen. Folglich müssen die Menschen ein immer höheres Ausbildungsniveau und innovative Fähigkeiten aufweisen, um mit der Arbeitnehmerschaft anderer Industriestaaten konkurrenzfähig zu bleiben. Überdurchschnittliche Qualifikationen werden entsprechend bezahlt und weltweit nachgefragt. Speziell im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien ist ein neuer Arbeitsmarkt entstanden, der allerdings hohe Anforderungen an die Ausbildung stellt. Damit vergrößert sich unter globalen Wettbewerbsbedingungen die ohnehin bestehende Spanne zwischen Spitzenverdienern und Lohnempfängern am unteren Ende der Einkommensskala.

Wer seine Fähigkeiten mit Hilfe des Internets anbieten kann, muss seinen Standort nicht unbedingt wechseln. Er kann von zu Hause aus sein Wissen dort einbringen, wo es sich am besten bezahlt macht. Er setzt sich allerdings mit Hilfe der neuen Kommunikationsmöglichkeiten einem internationalen Wettbewerb aus und wird damit ebenso in die weltweite Arbeitsteilung einbezogen wie große Unternehmen. Aussagen, dass das Industriezeitalter Arbeit für die Massen gebracht habe, wohingegen das Informationszeitalter nur noch Arbeit für eine kleine Elite biete, beziehen sich auf diese Entwicklung.
Entwicklungsländer

Staaten, die erst am Anfang einer industriellen Entwicklung stehen und die notwendigen Voraussetzungen für eine Marktwirtschaft wie vor allem eine rechtsstaatliche Ordnung und funktionierende Institutionen allenfalls ansatzweise bieten können, haben es schwer, sich gegenüber der Konkurrenz entwickelter Industrieländer zu behaupten. Sie drohen weltwirtschaftlich an den Rand gedrängt zu werden. Denn Globalisierung verläuft zwar großräumig und grenzüberschreitend, aber keineswegs uneingeschränkt universal. Vielmehr verstärkt sie die Gefahr, dass sich die ohnehin schon bestehende wirtschaftliche Kluft zwischen den Industriestaaten im Norden und vielen Entwicklungsländern im Süden weiter vergrößert.

Da nach bisherigen Untersuchungen Staaten mit liberaler Außenwirtschaftspolitik und Offenheit gegenüber dem weltweiten Handel und Investitionen mehr Vorteile genießen als solche, die ihre Wirtschaft durch Zölle und andere Maßnahmen abschotten (Protektionisten), und da globale Wirtschaftsunternehmen in den Entwicklungsländern gewöhnlich die verlässlichsten Arbeitgeber sind und oft höhere Löhne zahlen können als einheimische Firmen, liegen die Vor- und Nachteile der Globalisierung oft dicht beieinander.

Schwächung staatlicher Souveränität

Die internationale Verflechtung nimmt ständig zu. Das Ende des Ost-West-Konflikts hat den Prozess der Globalisierung zusätzlich dynamisiert und bezieht Staaten und Regionen ein, die unter den Bedingungen der militärischen und ideologischen Konfrontation gegenüber ihrer Außenwelt abgeschottet waren.

Indem Staaten den global handelnden Unternehmen und internationalen Finanzströmen den Weg ebnen, verringern sie ihre eigenen Einflussmöglichkeiten und schwächen ihre traditionellen wirtschafts- und finanzpolitischen Instrumente wie etwa Steuern und Zinsen. Außenwirtschaftliche Liberalisierung, innerstaatliche Deregulierung und die Mechanismen eines globalen Marktes berühren die staatliche Souveränität. Viele Aufgaben, die vormals jede Regierung für sich lösen musste, können nur noch im Verbund mit anderen wahrgenommen werden.

Internationale Kooperation

Internationale Institutionen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Welthandelsorganisation (World Trade Organization - WTO) gelten vielfach nur als Motor der Globalisierung und werden damit zur bevorzugten Zielscheibe der Antiglobalisierungsbewegungen. Doch inwieweit ist das berechtigt? "Wenn Probleme global werden, dann muss auch die Politik global handeln", so Bundespräsident Johannes Rau in einer Rede im Mai 2002. "Da geht es um Klimaschutz und um das internationale Finanzsystem, um Standortwettbewerb und Sozialdumping, um Wirtschaftskrisen und Fluchtursachen." Wodurch, wenn nicht durch Vereinbarungen internationaler Organisationen, kann Globalisierung in für alle erträgliche Bahnen gelenkt werden? Global Governance lautet eine Antwort, die die vielen Probleme, die ein Staat allein nicht lösen kann, im Blick hat.

Bei manchen Aufgaben leuchtet es auf Anhieb ein, dass sie nur gemeinsam bewältigt werden können. Ein vergebliches Unterfangen ist es, den "sauren Regen" in nur einem Staat zu bekämpfen. So wie ein Land nicht allein für bessere Luftwerte sorgen kann, ist auch kein Anrainer der Nord- oder der Ostsee allein in der Lage, die Wasserqualität in beiden Meeren dauerhaft zu verbessern.
Kulturelle Einflüsse

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Globalisierung lassen sich mit Zahlen untermauern und relativ genau beschreiben. Dafür nur ein Beispiel: In den vergangenen beiden Jahrzehnten wuchs der weltweite Warenhandel doppelt so schnell wie die weltweite Warenproduktion. Das heißt, die Handelsverflechtungen haben ungleich schneller zugenommen als die im selben Zeitraum hergestellten Güter. Im kulturellen Bereich ist Globalisierung mit ähnlich exakten Zahlen nicht zu belegen; auch ist ihre Wirkung keineswegs immer eindeutig.

Offensichtlich ist jedoch, dass die globalen Kommunikations- und Informationssysteme die unterschiedlichen nationalen wie regionalen Kulturen beeinflussen und mitunter bis in alltägliche Gewohnheiten hinein verändern. Oft ist dabei die englische Sprache aufgrund ihrer Weltgeltung ein wichtiges Medium. Große Modemarken etwa wollen nicht nur Gebrauchsgegenstände anbieten, sondern einen Lebensstil und ein Wertesystem repräsentieren. Wer daran teilnehmen will, muss sich mit käuflichen Insignien einer fremden Welt (Kultur) ausstatten. Eine markenorientierte Globalisierung erstrebt das Gegenteil von Vielfalt. Die jahrhundertelange enge Zusammengehörigkeit zwischen einem geographischen Raum und seinen kulturellen Merkmalen wird in Frage gestellt.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille kultureller Globalisierungsprozesse. Auf ihrer Kehrseite prägt Abgrenzung statt Offenheit das Bild. Der Universalität auf der einen steht das tiefsitzende Bedürfnis vieler Menschen nach kultureller Eigenständigkeit und Zugehörigkeit auf der anderen Seite gegenüber. Insofern mobilisiert die Globalisierung kulturelle wie religiöse Gegenbewegungen und verschärft ethnische Fragmentierungen.
Universale Werte

Eine ähnlich zwiespältige Wirkung ist auch in der Debatte über die weltweite Geltung von Wertvorstellungen zu finden. So geht das Bekenntnis zur Universalität von Menschenrechten einher mit einer ausdrücklichen Rückbesinnung auf regionale Überzeugungen und Traditionen. Fast alle Staaten haben Konventionen unterzeichnet, in denen beispielsweise das Recht auf physische Unversehrtheit des Einzelnen, seine Entfaltungsmöglichkeiten und die ungehinderte Praktizierung religiöser Überzeugungen vereinbart wurden.

Das spricht dafür, dass mit zunehmender wirtschaftlicher Verflechtung der Staaten auch eine Globalisierungstendenz grundlegender Rechtsgüter verbunden ist. Gleichzeitig melden sich jedoch auch hier Gegenstimmen. Da ist dann von einem Werte- und Kulturimperialismus der westlichen Welt die Rede, der auf andere Traditionen, etwa Chinas, keine Rücksicht nehme. Typisch westlich sei es beispielsweise, den Wert des einzelnen Menschen zu betonen, anstatt wie in Teilen Asiens den Vorrang der Gemeinschaft.

Angesichts der Komplexität des Globalisierungsprozesses überrascht es nicht, dass die Gefühle der Menschen ihm gegenüber vielfältig und mitunter höchst gegensätzlich sind. In einer Hinsicht herrscht allerdings zwischen den Befürwortern und Kritikern weitgehende Einigkeit: Globalisierung kann weder aufgehalten noch nach Belieben zurückgedreht werden. Worauf es ankommt, ist, was die Staaten und die vielen beteiligten Akteure aus ihr machen.
Gesellschaften unter Globalisierungsdruck

Die Mehrheit der Deutschen hat Angst vor der Globalisierung, das weisen Umfragen, zum Beispiel der Zeitschrift Wirtschaftswoche, regelmäßig nach. Auf den ersten Blick ist diese Angst völlig unverständlich. Globalisierung hat doch viele Vorteile. Es gibt ständig Kaffee, Tee und Kakao und das ganze Jahr über Früchte aus aller Welt. Dazu kommen andere angenehme Dinge: Möbel aus Schweden, Taschen aus Afrika, preiswerte Autos aus Asien.

Und dann sind da noch die unzähligen Möglichkeiten, die Welt kennen zu lernen: Auslandsaufenthalte über Schule, Universität oder Beruf und nicht zuletzt im Urlaub. Zudem sind immer mehr Menschen rund um den Globus und rund um die Uhr mit elektronischer Post und Fax zu erreichen. Die Welt wird zum globalen Dorf. Wer kann angesichts solcher Möglichkeiten verstehen, dass die meisten Deutschen Angst vor der Globalisierung haben? Die Antwort liefert der zweite Blick, der Blick hinter die Kulissen dessen, was unter dem Begriff Globalisierung abläuft. Die Menschen spüren, dass sich die Welt um sie herum rasant, ja revolutionär, verändert. Und sie fragen sich, welche Konsequenzen diese Veränderungen für ihr Leben haben.
Wettbewerb der Produktionsstandorte

Globalisierung bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass die ganze Welt zu einem Produktionsstandort geworden ist. Zum Beispiel für Jeans. Indische Landwirte bauen Baumwolle an und benutzen dazu Pestizide und Düngemittel aus Deutschland. Dann liefern sie die Baumwolle in die Türkei, wo sie zu Garn gesponnen wird. Gleich danach wird sie nach Taiwan transportiert und zu Stoff gewebt. Dann kommen die Franzosen ins Spiel. Sie färben die Stoffe mit chemischen Farbstoffen ein, bevor sie ihre Reise ins mittelamerikanische Honduras fortsetzen. Dort werden sie mit Hilfe britischer Kurzwaren zu Jeans genäht. Das Ganze geschieht im Auftrag einer US-amerikanischen Firma, die auch den deutschen Markt beliefert. Und selbst nachdem die Jeans aufgetragen sind, ist die Globalisierung möglicherweise nicht zu Ende. Der Jeansträger könnte seine Hose in die Altkleidersammlung geben, die sie dann irgendwo in der Dritten Welt billig weiterverkauft oder verschenkt.

Zwar ist die Globalisierung der Produktion in der Textilbranche besonders weit fortgeschritten. Doch auch viele andere große Unternehmen und Organisationen nutzen den Weltmarkt der Produktionsstandorte. Die Lufthansa lässt Teile ihrer Finanzbuchhaltung von Indien aus führen, weil dort wesentlich billiger gearbeitet wird. Die Welthandelsorganisation mit Sitz im schweizerischen Genf hat Dienstleistungen wie Übersetzungen in die preiswerte Dritte Welt ausgelagert, um die Kosten zu senken.

Diese Produktionsverlagerungen sind die Folge großer technologischer Revolutionen in den vergangenen Jahrzehnten. Seit den siebziger Jahren können auch aufwändige industrielle Arbeitsprozesse so in verschiedene Produktionsstufen zerlegt werden, dass die einzelnen Produktionsteile am weltweit günstigsten Ort gefertigt werden. Die Containertechnik für Schiffe hat die Transportkosten drastisch gesenkt.

Noch stärker sanken die Preise für die Kommunikation. Ein Telefongespräch von New York nach London kostete im Jahre 2002 nur noch den zehnten Teil seines Preises von 1970. Die Gebühren für die Nutzung von Satelliten sind seit 1985 um den Faktor 50 zu 1 gefallen. "Die heutige Ära der Globalisierung entsteht im Zuge fallender Telekommunikationskosten; durch Mikrochips, Satelliten, Glasfaserkabel und das Internet wird die Welt nahezu flächendeckend verwoben", beschreibt DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp die Entwicklung. Die Dynamik der Weltwirtschaft sprengt viele Grenzen - und die Menschen spüren das.

Hinter der Globalisierung verbirgt sich der Traum von einer freien Welt-Markt-Wirtschaft: Jeder Produzent soll jedes Produkt ohne Beschränkungen in jeder Region der Welt mit Arbeitskräften aus jeder Region der Welt herstellen und das Produkt - ebenfalls ohne Beschränkungen - in jeder Region der Welt anbieten können. Dann bestimmen auch weltweit die Kunden die (Welt-)Wirtschaft. Und dies - zumindest laut Theorie - mit Gewinn: Der englische Ökonom David Ricardo versuchte bereits Ende des 18. Jahrhunderts aufzuzeigen, dass eine Spezialisierung verschiedener Länder auf ein Produkt, bei der sie ihre Stärke ausspielen können, für alle beteiligten Länder Vorteile hat. Durch den internationalen Austausch der Handelsvorteile verbuchen alle Beteiligten Wohlstandsgewinne. Ein Traum wird Wirklichkeit: Eine Wirtschaftsweise, die einst auf lokalen Märkten begann, macht die Welt zum Dorf - und schafft Wohlstand für alle.

Ob dieser Traum allerdings eine reale Grundlage hat, ist überaus umstritten. Ricardos Theorie der so genannten komparativen Kostenvorteile trifft sicherlich auf den Handel zwischen Ländern mit vergleichbarem wirtschaftlichen Standard zu - zum Beispiel für Deutschland und Frankreich. Beide Gesellschaften haben von dem Freihandel im Rahmen der Europäischen Union profitiert. Überaus umstritten ist die Theorie jedoch für den Handel zwischen "entwickelten" und "weniger entwickelten" Ländern. Im Handel zwischen Deutschland und Burkina Faso ist die Gefahr groß, dass er für das afrikanische Land mit hohen Auslandsschulden endet, weil es für die Konsumwaren und Maschinen aus Deutschland mehr bezahlen muss, als es von Deutschland für seine Rohstoffe erhält.

Doch auch die Vorteile der Globalisierung haben ihre Kehrseite. Einerseits eröffnet der Weltmarkt den global tätigen Unternehmen große neue Absatzmärkte. Andererseits müssen sie auch auf ihren traditionellen Absatzmärkten mit verschärfter Konkurrenz aus anderen Teilen der Welt rechnen. Dabei stehen die Unternehmen unter einem doppelten Druck. Sie müssen Produkte so effizient und qualitativ hochwertig herstellen wie möglich und dabei ständig die Kosten senken, um mit den Angeboten der internationalen Konkurrenz mithalten zu können. Dieser Konkurrenzkampf hat schwer wiegende Folgen. Zum Beispiel in Deutschland.
Exportnation Deutschland

Zunächst profitiert Deutschland von der Globalisierung, denn die deutsche Wirtschaft ist exportstark. Je mehr Länder sich dem freien Weltmarkt öffnen, desto besser sind ihre Exportchancen. Und sie nutzt sie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden lieferten deutsche Unternehmen im Jahre 2002 für 648,4 Milliarden Euro Waren in andere Länder, während sie nur für 522,3 Milliarden Euro Waren von anderen Ländern kauften. Daraus resultiert ein Außenhandelsüberschuss von 126,1 Milliarden Euro. Nach den Vereinigten Staaten mit einer Ausfuhr von 694 Milliarden US-Dollar im Jahre 2002 ist Deutschland die zweitstärkste Exportnation der Welt (612 Milliarden US-Dollar) - weit vor Japan mit 416 Milliarden US-Dollar. Die deutschen Exporte erbringen 30,1 Prozent der gesamten wirtschaftlichen Leistung des Landes, gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Fast jeder vierte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt am Export. Dies gilt vor allem für drei große Industriebranchen: für die Automobilindustrie, den Maschinenbau und die chemische Industrie. Die deutsche Wirtschaft profitiert von einem hohen technologischen Standard der Herstellungsverfahren, von einem ebenso hohen Qualifikationsstandard der Arbeitskräfte und von hohen Qualitätsstandards in der Produktion. Die Globalisierung sichert und schafft Arbeitsplätze in Deutschland.

Allerdings ist dies nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite bilden die hohen Arbeitskosten: Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft kostete im Jahre 2001 eine Arbeitsstunde in Deutschland 26,16 Euro, Bruttostundenlohn und Lohnnebenkosten eingerechnet. In Portugal waren es 6,75 Euro pro Stunde, in Lettland 2,40 Euro. Zwar sagen solche Vergleiche nicht allzu viel, da deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pro Stunde häufig ein Mehrfaches der Produktionsmenge von Arbeitskräften in anderen Ländern herstellen, die mit schwächerer Technologie und einem geringeren Ausbildungsniveau auskommen müssen. Dennoch ist auch die Produktivität in den Niedrig-Kosten-Ländern stark gestiegen. Und dies hat Konsequenzen.
Produktionsverlagerung

Mit einem Container voller Nähmaschinen und Schnittmuster könne in asiatischen Billiglohnländern in kurzer Zeit eine konkurrenzfähige Produktion aufgebaut werden, erzählten Branchenexperten bereits in den siebziger Jahren. Inzwischen hat die Textilindustrie von dieser Möglichkeit großzügig Gebrauch gemacht. "Von dem in Deutschland registrierten Umsatz in der Bekleidungsindustrie - 1996 waren das rund 22,4 Milliarden Mark - werden nur noch etwa 15 Prozent hier zu Lande gefertigt. 60 Prozent werden unter deutscher Verantwortung im so genannten Lohnveredelungsverkehr im Ausland genäht. Die übrigen 25 Prozent sind Fertigware, die im Ausland eingekauft wird", schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits am 8. Oktober 1997 - und diese Tendenz der Produktionsverlagerung ins Ausland hat sich bis heute verstärkt.

Doch längst werden nicht nur Joggingschuhe oder Elektrogeräte in Niedrig-Kosten-Ländern hergestellt. Auch Dienstleistungen der Informationstechnologie werden zunehmend verlagert. "Vorreiter sind die Vereinigten Staaten, die im Jahre 2000 etwa 100000 Dienstleistungsjobs exportierten, wie eines der größten Marktforschungsunternehmen der USA, das Forrester Research, schätzt. Die Wissenschaftler erwarten, dass US-Unternehmen bis zum Jahre 2015 rund 3,3 Millionen dieser Arbeitsplätze in Länder wie Indien, Russland und China auslagern", berichtete die Wirtschaftswoche am 10. April 2003 und folgerte daraus: Dieser Trend wird auch Deutschland erreichen, denn auch in der Informationstechnologie sind die Lohnunterschiede gravierend. Nach Angaben der Wirtschaftswoche verdient ein Programmierer in Deutschland etwa 45000 Euro pro Jahr, im indischen Bangalore ist seine Arbeitskraft für rund 10000 Euro zu haben.

Noch fürchten Unternehmen die geringere Produktivität sowie die Sprach- und Kommunikationsbarrieren bei der Verlagerung von Dienstleistungen in den Süden. Doch die moderne Technologie verringert den Produktivitätsvorsprung der Industrieländer - und die Kommunikationsprobleme lassen sich lösen, wenn sich zwischen beiden Seiten über eine mehrjährige Zusammenarbeit eine verlässliche Kultur des Gesprächs und des Vertrauens aufgebaut hat. Entsprechend sagen viele Fachleute eine schleichende Verlagerung auch von modernen Arbeitsplätzen in die Schwellenländer des Südens voraus.

Lange Zeit hielten sich in Deutschland die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch steigende Exporte und die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedrig-Kosten-Länder die Waage. Inzwischen drohen jedoch mehr Jobs durch Verlagerung verloren zu gehen. Der Grund: Zuwachs in der Exportindustrie schafft nicht so viele zusätzliche Arbeitsplätze, weil diese Industriezweige stark auf Technik setzen. Die Verlagerung bedroht dagegen die arbeitsintensiven Industriezweige. Dort gehen dann mehr Arbeitsplätze verloren, als in den Exportbranchen neu entstehen.

Auch die Industrieländer untereinander stehen in einem harten Konkurrenzkampf. Ganze Regionen wetteifern um die Ansiedlung eines großen Industrieunternehmens und werfen dazu alles in die Waagschale, was sie haben: günstige und gute Arbeitskräfte und vor allem Subventionen.

Im Zuge dieser Entwicklung versuchen die unterschiedlichen Regionen in den verschiedenen Ländern, sich auf unterschiedliche Wirtschaftsbereiche zu spezialisieren. In Deutschland gelten Köln und seine Region als Film- und Medienstandort. Bayern versucht offensiv, Tradition mit exportorientierter High-Tech-Wirtschaft zu verbinden. Im Gegensatz dazu hat sich Frankfurt am Main als internationale Finanzdrehscheibe etabliert.

Wandel der Arbeits- und Lebensverhältnisse

Die Globalisierung verändert die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Menschen rascher als andere wirtschaftliche Prozesse zuvor. Strukturwandel gab es schon immer: von Kohle zu Öl, von Eisen und Stahl zu Elektronik und Telekommunikation. Doch die globalen Entwicklungen sind rasanter. Wo einst Textilherstellung, Bergbau und die Industrieproduktionen im Allgemeinen florierten, liegen jetzt ganze Industrieviertel brach. Dafür entstanden in den Innenstädten große Bürozentren für Telekommunikationsunternehmen, Banken, Versicherungen und Finanzmakler. Diese neuen, globalen Wirtschaftszweige bieten vielen Menschen neue Perspektiven: Angestellten mit guter Ausbildung, weit reichenden Sprachkenntnissen und dem Wunsch, ihren Arbeitseinsatz flexibel und mobil nach den Bedürfnissen und Anforderungen "ihrer" Unternehmen zu richten. Wer über viel Selbstvertrauen und über die notwendigen beruflichen Qualifikationen verfügt, der oder dem steht die Welt meist offen.

Inzwischen ist es möglich, fast jede Arbeit zu jeder Zeit und dies an fast jedem Ort der Welt abzuleisten - wenn Technologie und Qualifikation stimmen. Diese Folge der Globalisierung eröffnet bestimmten Arbeitnehmer-Gruppen völlig neue Möglichkeiten. Wer die Klaviatur der Informationsgesellschaft beherrscht, kann sich auf Mallorca niederlassen und dort für verschiedene Unternehmen arbeiten: Zum Beispiel ist es möglich, über das Internet an eine Redaktion angebunden zu sein und für diese regelmäßig Beiträge zu schreiben oder eigene Textentwürfe am häuslichen Bildschirm zu entwickeln und per Internet der auftraggebenden Werbeagentur in Deutschland zu übermitteln. Nach dem Druck wird der Werbebroschüre niemand anmerken, dass sie in Mallorca entworfen und gestaltet wurde. Sonne, Wind und Arbeit - was will man mehr?

Doch vielen Menschen machen diese Entwicklungen Angst. Sie fürchten um ihre Existenz. Und sie haben umso mehr Angst, je älter oder je unflexibler sie sind, weil sie zum Beispiel Kinder haben. Sie haben noch mehr Angst, wenn sie - aus welchen Gründen auch immer - nicht die Qualifikationen vorweisen können, die die globale Wirtschaft fordert. Und am meisten fürchten sich jene, die in diesem Konkurrenzkampf besonders schlechte Karten haben: die Kranken, die Behinderten und all diejenigen Dingen, die ihre Marktfähigkeit verringern. Sie wissen, dass der globale Wettbewerb hart ist und dass sie diejenigen sein könnten, die am Ende als Verlierer dastehen.

Der US-amerikanische Soziologe Richard Sennett beschreibt in seinem Buch "Der flexible Mensch" (1998) die Folgen der absoluten Anpassungsfähigkeit, die die Globalisierung der Wirtschaft von den Menschen fordert. "In der Arbeitswelt ist die traditionelle Laufbahn, die Schritt für Schritt die Korridore von ein oder zwei Institutionen durchläuft, im Niedergang begriffen." Diese Veränderung habe, so Sennett, tief greifende Auswirkungen auf das Privatleben: "Es ist die Zeitdimension des neuen Kapitalismus, die das Gefühlsleben der Menschen außerhalb des Arbeitsplatzes am tiefsten berührt. Auf die Familie übertragen bedeuten diese Werte einer flexiblen Gesellschaft: Bleib in Bewegung, geh keine Bindungen ein und bring keine Opfer."

Wenn sich diese Entwicklung verstärkt, so hat dies weit reichende Folgen für das Zusammenleben in der Gesellschaft. Der Single wird zum Prototyp des globalisierten Menschen: möglichst wenige persönliche Abhängigkeiten, dauerhafte hohe Verfügbarkeit im Beruf. Vor diesem Hintergrund wachsen die Herausforderungen an das Zusammenleben: Wochenendbeziehungen nehmen ebenso zu wie Partnerschaften über weite Entfernungen. Es besteht die Gefahr, flexibel aneinander vorbei zu leben. Kinder werden zum beruflichen Risiko. Die Geburtenrate wird weiter sinken, wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht enorm verbessert wird: durch ganztägige Betreuungseinrichtungen und durch eine bessere steuerliche Förderung der Fremderziehung von Kindern in Privathaushalten.

Eine rasante wirtschaftliche Dynamik, mehr Mobilität für den Einzelnen, Zuwanderung von Menschen aus anderen Regionen der Welt - diese Entwicklungen können eine Gesellschaft bereichern. Speziell die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte nutzt der deutschen Gesellschaft auch materiell. Denn sie bezahlen alle Steuern und Sozialabgaben. Wie schnell sich Einwanderung auszahlt, das zeigt sich besonders bei der Zuwanderung von besonders qualifizierten Fachleuten über die umstrittene Green-Card. Bis Mitte 2002 kamen laut Bundesregierung 8556 ausländische Computer-Spezialisten nach Deutschland - und schufen hier zu Lande über 20000 zusätzliche Arbeitsplätze.

Dennoch werden Zuwanderung und Globalisierung vielfach als Bedrohung erlebt - etwa als Bedrohung gewachsener sozialer Strukturen in Städten und Dörfern. Für viele Menschen bedeutet die schleichende Auflösung von Traditionen und althergebrachten Lebenszusammenhängen eine Entwurzelung. Wenn sie sich dann noch als Verlierer erleben, weil ihnen gekündigt wird oder sie einen schlechter bezahlten Job weit entfernt von ihrem Wohnort annehmen müssen, dann reagieren sie oftmals frustriert. Dann können Zugewanderte leicht zum Feindbild werden.

Wenn sich diese Empfindungen in bestimmten Regionen und Stadtvierteln konzentrieren, kann eine explosive Lage entstehen. Dies gilt umso mehr, als die Menschen eine Politik erleben, die in wachsendem Maße ihre eigene Ohnmacht offenbart. Immer weniger wird vor Ort entschieden, immer häufiger verweisen die politischen Instanzen vor Ort auf Berlin, Brüssel oder gar auf anonyme internationale Institutionen wie die Welthandelsorganisation. Gleichzeitig wächst bei vielen Menschen das Bedürfnis nach Heimat, nach einer Stärkung der Region und ihrer Selbstständigkeit.

Dieses Bedürfnis kann die Politik nur noch in Ansätzen befriedigen: zum Beispiel durch die Förderung von Märkten für regionale Produkte oder durch die Stärkung der lokalen Vereine. Immer häufiger erleben die Menschen jedoch, dass ihre Region durch Entscheidungen in einer weit entfernten Konzernzentrale Hunderte von Arbeitsplätzen verliert und dass weder sie noch die Politik irgendetwas dagegen unternehmen können. Diese Erfahrungen erzeugen bei so manchen Beschäftigten mit geringerer Qualifikation, bei Menschen, die nicht so mobil, die älter, arbeitslos oder anderweitig benachteiligt sind, eine gefährliche Mischung aus Resignation und Aggression - auch und gerade gegen die Folgen der Globalisierung.

Kulturen zwischen Globalisierung und Regionalisierung

Ein türkisches Gemüsegeschäft, daneben eine italienische Eisdiele. Gegenüber betreibt ein Exiliraner einen Copy-Shop, und an der Ecke verkauft ein Kurde Zeitungen und Zigaretten. Zwischen den herrschaftlichen Altbauten des Kölner Stadtviertels, in dem ich wohne, finden sich spanische, indische und thailändische Restaurants, auch eine kölsche Schenke und eine romanische Kirche. Bunt ist das Sprachengemisch im Kindergarten und der nahe liegenden Grundschule. Globalisierung bedeutet hier: kulturelle Vielfalt aus vielen Teilen der Welt.

Dabei umfasst Kultur mehr als nur die Künste. Kultur im weiten Sinne bezeichnet auch den Umgang miteinander, auf der Basis der geschriebenen, aber auch der vielen ungeschriebenen Gesetze, die sich aus den jeweiligen Sitten und Traditionen entwickelt haben. Das Verhältnis von jung zu alt, von Mann zu Frau ist von Kultur zu Kultur oftmals verschieden, ebenso der Begriff von Zeit, vom Einzelnen und der Gruppe. Auch die Feste, die Musik und die Künste unterscheiden sich.
Kulturelle Vormacht USA

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 gibt es nur noch eine Weltmacht, die USA. Übt diese Supermacht neben ihrem immensen politischen und wirtschaftlichen auch einen weltweiten, prägenden Einfluss auf kulturellem Gebiet aus?

Hätten die USA kein derartig großes internationales Gewicht, würden wir nicht alle schlecht und recht Englisch sprechen. Zur Zeit des römischen Imperiums um die Geburt Christi herum war die lateinische Sprache weit verbreitet, in der Welt des 17. Jahrhunderts waren Spanischkenntnisse äußerst hilfreich, im 18. Jahrhundert war Französisch die wichtigste Sprache, und, wer weiß, vielleicht müssen wir im nächsten Jahrhundert neben unseren Muttersprachen Chinesisch radebrechen.

Staaten, die dank ihrer Innovationskraft, ihrer politischen, wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Stärke eine Vormachtstellung einnehmen, sind also nichts Neues. Neu aber ist im Zeitalter der Globalisierung ihre weltweite Ausstrahlungsmöglichkeit. So finden sich selbst in sibirischen Städten Filialen der Imbisskette McDonald's. Im entfernten afrikanischen Ghana ertönt amerikanische Popmusik, in den Freiluftkinos von Indonesien reiten amerikanische Cowboys über die Leinwände, in argentinischen Andendörfern gibt es amerikanische Buchtitel, auch Kaugummis, Softeis und Jeans. In Europa ist dies alles ohnehin schon längst der Fall.

Sind wir also alle vereinheitlicht, verwestlicht, amerikanisiert? Ist die immer wieder beschworene Angst vor dem "kulturellen Einheitsbrei" gerechtfertigt? Auf den ersten Blick spricht einiges dafür.

So scheint die amerikanische Massenproduktion von Kulturgütern - von Kino- und Fernsehfilmen, Produkten der Musikindustrie und des Verlagswesens - fast konkurrenzlos zu sein. Im audiovisuellen Markt sind die USA mit Umsätzen von 102 Milliarden Dollar jährlich die Nummer eins, vor Europa und Japan. Erst dann folgt die keineswegs unbeträchtliche Medienindustrie aus Indien und Hongkong. Weit abgeschlagen ist die so genannte Dritte Welt, auch Russland belegt einen hinteren Rang. Ähnliches gilt für die Buchproduktion, an der allerdings auch die deutschen Medienkonzerne Holtzbrinck und Bertelsmann weltweit kräftig beteiligt sind.

Reaktionen auf die Amerikanisierung

In vielen Ländern regt sich inzwischen Widerstand gegen die kulturelle Vorherrschaft der USA. Die einzelnen Länder Europas etwa haben entschieden, dass Kunstprodukte keine normalen Wirtschaftsgüter sind, die sich ungeschützt dem Wettbewerb stellen müssen. Vielmehr sollten lokale, regionale, nationale, selbst grenzüberschreitende kulturelle Eigenheiten, künstlerische Aussagen und Sprachen bewahrt und gepflegt werden.

Aus dieser Schutzhaltung erklärt sich beispielsweise die Buchpreisbindung, die garantieren soll, dass der Markt nicht nur von wenigen Bestsellern überschwemmt wird und auch kleinere Buchgeschäfte überleben können. Ein anderes Beispiel: Wer einen Stuhl kauft, bezahlt in Deutschland 16 Prozent Mehrwertsteuer. Wer aber eine CD, eine Videokassette, einen Film, ein Buch oder ein Gemälde ersteht, muss dafür nur sieben Prozent extra auf den Ladentisch legen. In allen westeuropäischen Ländern gibt es eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Kunstprodukte. Sie wird auch in den meisten mittel- und osteuropäischen Ländern gerade eingeführt. Die asiatischen, südamerikanischen oder afrikanischen Länder hingegen machen von dieser Möglichkeit, einheimische Kunstprodukte zu schützen, keinen Gebrauch.

Von den USA abgesehen fördern Regionen und Nationen überall auf der Welt künstlerische Produkte mit öffentlichen Geldern, vor allem Kino- und Fernsehfilme, in einigen Ländern auch Bücher und Zeitschriften oder CD-Aufnahmen von Konzerten. Darüber hinaus haben fast alle europäischen Länder für sich entschieden, einheimischen künstlerischen Produkten Vorrang im Fernsehen einzuräumen. Dafür haben sie Quoten festgelegt.

Selbst die wettbewerbsfreudige Europäische Kommission hat 1989 beschlossen, dass 50 Prozent aller TV-Sendungen in der Europäischen Union außer den Nachrichten, der Werbung, Talkshows und Sportberichten europäischen Ursprungs sein müssen, wobei sie aus einem europäischen Land kommen oder Koproduktionen aus zwei oder mehreren europäischen Ländern sein können. Die EU konnte dies beschließen, da Wirtschaftsfragen in ihren Kompetenzbereich fallen. Und mit der Quotenregelung wird nicht nur das Kulturgut geschützt, sondern auch die Kulturindustrie, und dort vor allem die vielen mittelständischen Unternehmen, die Zulieferanten bei einer Fernsehsendung sind.

Selbst die kleine Schweiz, die nicht Mitglied der Europäischen Union ist, hat über einen Vertrag geregelt, dass jeder Schweizer Sender, auch ein kommerzieller, mindestens einmal im Monat einen Film ausstrahlen muss, der in der Schweiz hergestellt wurde. Dabei ist es egal, ob er in Verantwortung eines in der Schweiz lebenden Türken, Kurden, Spaniers, Italieners, Marokkaners oder aber eines Ur-Schweizers entstand.

Ob diese beschützende Quotenregelung richtig oder falsch ist, ob auch Kulturgüter dem freien Markt überlassen werden sollten oder nicht, ist Gegenstand einer fortdauernden Kontroverse. Jedenfalls sorgen diese Fragen regelmäßig für viel Ärger bei den Verhandlungen mit den USA über die Fortschreibung der Abkommen über den internationalen Dienstleistungshandel (General Agreement on Trade in Services - GATS).









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